Donnerstag, 9. Juli 2015

übertherapiert oder überkritisch?


die kleine helena anjuli hatte vor einer woche die U6, ganz klassisch mit den üblichen motorischen tests, dem standartisieren fragebogen und der fiesen mmr-impfung
nun muss man dazu sagen, dass die U6 angesetzt ist für babys im alter von 10-12 monaten und das krümelbaby hat grade mal die 10 monate voll.
(der termin bot sich jedoch an, da mein mann urlaub hat und es die ganze sache weit stressfreier für mich und die kleine macht, wenn der papa dabei ist.) das bedeutet also: die selben tests, der selbe fragebogen wäre auch zwei monate später noch relevant gewesen.



fragen wie: 'sagt sie mama oder papa?' 'spielt sie kuckuck?' 'rollt sie bälle wieder zurück zu ihnen?' 'isst und trinkt sie normal?' 'beherrscht sie den pinzettengriff?' konnten wir allesamt mit ja beantworten.
doch dann wurd es knifflig: 'trinkt sie aus einem normalen becher?' 'zieht sie sich hoch?' 'steht sie frei?' nein, nein und nein. um genau zu sein krabbelt sie nicht mal. sie schiebt sich unglücklich rückwärts durch den raum, denn der vorwärtsgang wäre ihr offensichtlich sehr viel lieber. 

ein kurzer rückblick: vor einigen wochen waren wir schon einmal beim arzt, damals habe ich angesprochen, dass sie nichtmal länger als 30 minuten auf dem bauch im zimmer liegen mag und um rat gefragt. die antwort: "jedes kind hat sein eigenes tempo, das wird schon." damit gab ich mich zufrieden, denn im innersten wusste ich: er hat recht.


langsam, aber voller tatendrang erkundet sie ihre welt

doch nun plötzlich war das 'eigene tempo' vom tisch
all diese fragen, die mit 'nein' beantwortet wurden (und ich erinner nochmal: zwei monate später wären es die selben fragen gewesen) waren nun grund zur besorgnis. dabei hatte ich doch in den letzten wochen voll freude krümelchens fortschritte beobachtet und war auf jeden einzelnen unendlich stolz. sie bewegt sich inzwischen durch den raum, mehr schlecht als recht, aber jeden tag ein bisschen besser. und wenn ich sie auf ihre süßen füße stelle und stütze knickt sie nicht sofort die knie ein sondern beguckt sich fröhlich die welt aus dieser neuen perspektive. wieso könnte es also nicht sein, dass sie sich innerhalb der kommenden acht wochen irgendwo hochziehen oder gar frei stehen kann?

der doktor testete noch dies und das, reflexe und bewegung (und als mutter bildet man sich ja immer ein, er schleudert das kind quer durch den raum dabei ^^) und beendete das ganze mit: "sie kommt nicht richtig hoch." aha. soso. 
ich, konzentriert auf  die rettung meines schreienden babys, war nicht genug bei mir, um zu fragen, was er damit meint. und wahrscheinlich war DAS mein größter fehler bei all dem, eine genauere erläuterung hätte mir vielleicht viele der momentanen zweifel erspart. auf der anderen seite hätte er als arzt auch einfach mal drei sätze mehr zu dieser diagnose sagen können. die empfehlung war zu guter letzt, schonmal einen platz bei der physiotherapie zu suchen und vorher noch einen weiteren arzt der praxisgemeinschaft zu besuchen, für eine intensivere neurologische untersuchung.

natürlich folge ich den empfehlungen des arztes, ich will mir später nicht vorwerfen, irgendetwas vernachlässigt zu haben.
dennoch frage ich mich: ist das wirklich nötig? muss mein kind wirklich derartig strapaziert werden? -und ich meine wirklich strapaziert, sie hat eine furchtbare angst vor fremden menschen, die sie anfassen, da schreit sie so furchtbar, dass meine ohren klingeln und mein mutterherz blutet- (und: "da muss sie durch, das wird sie schon verkraften" zählt hier nicht. wenn es nicht sein MUSS will, ich mein kind einfach nicht so ängstigen!!!!!)
kann ich ihr nicht einfach zeit geben anstatt bei uns allen jetzt die alarmglocken schellen zu lassen und mein baby dieser für sie sehr unangenehmen situation aussetzen?
manchmal glaube ich einfach, dass in der heutigen zeit viel zu zügig alles austherapiert werden soll, anstatt der individuellen entwicklung seinen lauf zu lassen. sicher ist es ein gewinn, dass es immer mehr möglichkeiten gibt, aber müssen die denn direkt beim kleinsten 'problem' angewandt werden?
auf der anderen seite bin ich die erst, die protestiert wenn jemand sagt "früher hat uns das auch nicht geschadet" oder "sowas gabs früher auch nicht" und die vorzüge von fortschritt und entwicklung (z.b. in der erziehung, schreien lassen, tragtücher nutzen und und und) hervorhebt.
wie werde ich mir nun selbst gerecht?
oder mache ich hier generell aus einer mücke einen elefanten?

meine mutter sagt übrigens, dass eine physiotherapie auf keinen fall schaden kann und deshalb nichts dagegen einzuwenden wäre. 
meine schwiegermutti ist leicht panisch weil sie jetzt glaubt, es sei 'was ernstes' mit dem ersten und bisher einzigen enkelkind.
mein mann ist genauso versunsichert wie ich.

und nun? 
ich denke, wenn sie nicht bis zu dem termin zur neurologischen untersuchung in 3 wochen plötzlich wie ein wirbelwind krabbelt werde ich den termin wahrnehmen. einfach, weil ich zu verunsichert bin. und angst habe, dass doch etwas mit ihr nicht stimmt.
mein armes baby.

mit jedem neuen tag stelle ich fest, dass es ganz schön fordernd ist, entscheidungen für so ein kleines menschlein treffen zu müssen. und wie viel schneller ich mich dabei verunsichern lasse. 
was sagst du dazu?

                                                                                                                                                                                                deine lila

Kommentare:

  1. Ich habe ein Kind, dass vom 2. Lebenstag an Physiotherapie bekam und brauchte. Bei ihr wurden Baustellen vermutet, sofort gefunden und therapiert.
    Diese Baustellen gibt es n un bei "normalen" Kindern aber auch, wenn nur nicht so geballt wie bei uns.
    Falls dein Kind zB hypoton ist, d.h. die Muskelspannung fehlt, kann man sehr früh und einfach etwas dagegen tun.
    Natürlich muss man nicht, aber warum sollte man die Erkenntnisse von heute nicht für sich nutzen?
    Zusätzlich müssen dich die Ärzte darauf hinweisen, da es genug Idioten gibt, die Ärzte dann im Nachhinein wegen so etwas verklagen und dort die Schuld suchen.
    Geh ein bisschen "turnen" mit deinem Schatz und um so besser wenn diese Nörgelei gegen Fremde etwas zurückgeschraubt wird dadurch, zuviel ist nämlich auch nicht gut und belastet dich zusätzlich.
    Deinem Kind motzt nur weil es darauf keinen Bock hat, nicht weil es wirklich Panik ist. Deine Reaktion verstärkt oder nimmt dieses Verhalten zurück, dein Kind hat da sehr feine Antennen.
    Bleib gelassen. (Sagt dir eine Mutter die sich teilweise auf ihr Kind draufsetzt bei der Blutabnahme und ähnlichem, was muss, das muss, da hilft es nicht wenn ich auch noch vor Mitleid zerfließe)
    LG
    Martina

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    1. vielen lieben dank für deinen kommentar.
      ich bin mir leider auch bewusst, dass mein kind sich sicher durch mein verhalten beeinflussen lässt und vielleicht nicht ganz so extrem reagieren würde, wenn ich selbst mehr sicherheit ausstrahlen würde. das ist leider so viel einfacher gesagt als getan. ich hab größten respekt vor frauen wie dir, die so viel stärke ausstrahlen. ich hoffe ja, dass gelassenheit erlernbar ist. das täte mir und ihr sicher gut.
      an eine eventuelle blutabnahme mag ich übrigens gar nicht denken, hoffentlich kommt es so schnell nicht dazu ;-)

      liebe grüße!

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  2. Meine Mutter sagte mal, ich sei lange gekrabbelt, bis ich eines Tages von der Perspektive die Nase voll hatte, aufgestanden und gelaufen bin. Es gibt Kinder, die früh laufen und welche die einfach Spätzünder sind.
    Das mit dem aufs Kind legen, damit Blut abgenommen werden kann von meiner Kommentarvorgängerin, finde ich nicht so gut. Dadurch kann ein Trauma entstehen. Gut, bei mir war es eine Stufe schlimmer, mein Kinderarzt hat mich geschlagen. Ich bekomme noch heute, mit 44, einen extrem hohen Blutdruck, wenn ich eine Praxis betrete. Meine Eltern mussten sich noch bis ins Teeniealter auf mich legen, damit der Arzt Blut bekam. Auch hier muss es andere Möglichkeiten geben, die vom Pieks ablenken.
    Gib deiner Kleinen ruhig Zeit. Beobachte sie aber genau. Wenn sie die nase voll hat vom Rückwärts Robben, wird sie krabbeln oder aufstehen.

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  3. Ich hab deinen Kommentar grad bei Tollabea gesehen und ich sag dir jetzt mal eins: Das liegt am Namen :D Ich musste grade soooo schmunzeln :D Meine heißt auch Helena, ist 9 Monate, robbt auch nur rückwärts, aber das durchaus koordiniert (nach hinten gucken, robben, gucken, robben) und ja auch ich erwische mich manchmal dabei neidvoll die Krabbelkinder anzugucken. Aber weißt du was, dafür können die Krabbler andere Sachen nicht, wie klatschen, tanzen, Mama und Baba brabbeln oder diverse Zähnchen haben. Und selbst wenn...

    Ich würde sagen, höre weiterhin auf deinen Bauch. Der kennt deine kleine Helena weil er sie nämlich gemacht hat nd die beiden verstehen sich so gut, dass er dir immer noch helfen kann, herauszufinden was gut für sie ist. Die Natur hat es so eingerichtet, dass jedes Kind auch ohne Therapie am Ende selbstständig wird. Wer weiß welche tollen Fähigkeiten deine Maus grade im Geheimen ausbrütet.

    Liebste Grüße und Kopf hoch!

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  4. Hey ich kenn viele Kinder die spät gekrabbelt / gelaufen sind da merkt man mittlerweile nix mehr von... lass dich nicht stressen das wird!! Und auf Ängste muss man Rücksicht nehmen siehe Vorrednerinnen :) Meine Tochter war immer sehr ängstlich und wehleidig und jetzt nach vielen Pflastern und Eiei eine ziemlich coole Sau... ;)

    LG Frida

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