Montag, 31. August 2015

Rückblick: Mama, Papa, Krümelbaby

Jetzt.


Genau jetzt vor 12 Monaten warst du da.
Helena Anjuli. Strahlend schönes Gottesgeschenk.
Krümelbaby.


Nicht plötzlich, nicht unerwartet, ohne Hektik und Fahrt ins Krankenhaus unter Wehen...
Nein, nach Tagen der Einleitung, drei Tagen unproduktiver Wehen, nach Hoffen und Bangen, nicht noch eine weitere Nacht warten zu müssen. 



Du hast dir Zeit gelassen. Du wolltest einen ganz großen Auftritt, wolltest Drama (baby!) und beinahe hättest du es zu weit ausgereizt, ich war schon zum Notkaiserschnitt angemeldet weil du nach 13 Stunden Geburt immer schwächer wurdest. Aber dann haben wir uns zusammen gerissen, haben mit letzter Kraft gekämpft und als du endlich da warst, hat man dich endlich von der elenden Nabelschnur um deinen Hals befreit. Deine engste Verbindung zu mir hat dir in den letzten Schwangerschaftsstunden echte Probleme bereitet.

Da warst du.
Ein kleines Wunder, ein zauberhaftes Wesen, mir so bekannt und nah und doch so fremd und ungewohnt. Deine Gesichtszüge, deinen kleinen Körper, deine Haare und deine Stimme, all das konnten dein Papa und ich endlich bewundern und bestaunen. 
Wir zwei, du und ich, wir hatten es nicht leicht. Es hat gedauert, bis wir einen gemeinsamen Rhythmus gefunden hatten. Monatelang haben dein Papa und ich uns auf dich vorbereiten können und doch waren wir manchmal hilflos und ratlos, wirklich gar nichts auf dieser Welt kann einen aufs Eltern-sein vorbereiten. Das mussten wir lernen. All die guten Vorsätze, all die cleveren Ideen und all die bunt gemalten Zukunftsvisionen hast du mit einem Lächeln über Bord geworfen.
Nie hat ein Lebenwesen mich so gebraucht wie du. Nie hat ein Lebewesen mir so vertraut wie du.
Dich abzulegen war schier unmöglich, den Großteil des Tages hast du an meiner Brust verbracht. Mir ganz nah, immer in Kontakt. 'Mama, lass mich nicht allein!' haben deine Augen gesagt.
Tausend gute Ratschläge, dich trotzdem bei Seite zu legen, dich nicht so an mich zu kletten, und ich habe es wirklich versucht. Aber wer lässt sein Baby schon weinend im Bettchen liegen? Flehend nach Wärme und Nähe. 
Dein Papa und ich, wir haben neu denken müssen. Das hatten wir so nicht erwartet, aber wir haben es angenommen als deine Vorstellung des Miteinanders. Wir haben gelernt, was "bedürfnisorientiert" bedeutet und uns guten Gewissens zu dieser Form des Umgangs mit dir entschieden.

Nun rockst du unsere Welt. 
Hast sie bunt und laut und aufregend gemacht. Überraschst uns immer neu, forderst uns heraus, lässt uns ungeduldig warten und manchmal vor Erschöpfung aber meistens vor Freude weinen. 
Du gehst deinen Weg anders, als jeder Ratgeber der Welt es vorhersagen kann. Du gehst ihn so, wie DU es willst und lehrst uns Geduld und Respekt vor deinem kleinen, aber unerschütterlichen Willen.



Deine Omi sagt, sie hätte nie ein Baby so intensiv schreien hören wie dich. Aber auch nie eins so lauthals lachen. Und du lachst so gerne. Hast uns schon sehr früh mit deinem Lächeln verzückt und heute reicht ein Gang die Treppe herunter mit dir auf dem Arm und du schüttelst dich vor Lachen.

Deine kleine Oma freut sich über jeden kleinsten deiner Fortschritte unheimlich, du bist ihr erstes Enkelkind und sie hat in dir ein neues, kleines Wesen zum behüten gefunden. Voller Stolz zeigt sie jedes deiner Fotos deiner Uromi und den anderen Verwandten in Indien. 







Papa und ich, wir blicken zurück auf das letzte Jahr und reiben uns verwundert die Augen. So viel haben wir geschafft, so viel haben wir erlebt. Hürden überwunden, dich sanft in die große Welt begleitet und dich gehalten, wann immer du uns brauchtest.
Und vor uns dreien liegt eine lange, gemeinsame Zukunft, voller großer Abenteuer, heller und dunkler Zeiten und vor Allem: Ganz viel Liebe!!!
Du bist nun offiziell kein Baby mehr sondern ein Kleinkind. Aber du wirst immer MEIN Baby bleiben!
Wachse heran zu einem eigenen, individuellen, charakterstarken Menschlein, lerne von uns und lehre uns deine Sicht auf die Welt. 

Heute feiern wir dich. 
Wir lieben dich.

                                                                                                                                                                                                                                deine Mama 



Ach und bitte: Ich weiß, es ist nur eine Phase, aber die aktuelle darf bitte langsam ihr Ende finden. Ich weiß jetzt, dass du zornig sein kannst. Die ersten Zähne sind da, du krabbelst, du stehst auf, all das in den letzten Wochen. Jetzt darfst du Pause machen. Beruhige dich wieder und gönn Mama Papa eine Pause von der Phase. Die nächste folgt bestimmt. ;-)

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