Dienstag, 25. August 2015

was wäre, wenn DU es wärst?

flüchtlinge.
das wort der letzten wochen.

ich bin nur eine winzig kleine bloggerin, die ab und an mal einen seelenstriptease hier hinlegt. nur für mich in erster linie, aber ich freue mich über jeden, den interessiert, was ich zu erzählen habe. 

dieser tage ist aber selbst mein kleines stimmchen wichtig. jedes wort zählt. jede tat. jeder euro. jedes bisschen mitgefühl.

ich sehe bilder im tv, sehe weinende menschen, männer, frauen, kinder die über zäune klettern, auf dem meer ums überleben kämpfen. zeltlager, demonstrationen, brennende flüchtlingsunterkünfte. all das erschien weit weg. es tat mir leid, aber ich bin gut darin, mich zu verschließen, ich weiß zu gut, wie stark ich mitfühle und mich all das leid mitnehmen würde.



letzten august habe ich helena auf die welt gebracht. in meinem zimmer lag eine junge frau mit ihrem baby, grade wenige tage alt, nicht mal 50 cm groß und bei geburt und um die zwei kilo schwer. nein, kein frühchen, sondern eine folge der mangelversorgung, die dieses würmchen erfahren musste. die mutter ist ein flüchtling. keine hebamme, kein arzt konnte mit ihr sprechen, aber alle suchten einen weg, sie so lang wie möglich im krankenhaus behalten zu können. denn ihre zukunft war ungewiss, eine weiterleitung in ein flüchtlingsheim in dortmund war im gespräch. mit einem neugeborenen winzling. aber nach einer knappen woche wurde sie entlassen. es gab wirklich keinen medizinischen grund mehr, der ihren weiteren aufenthalt in der klinik gerechtfertigt hätte. 
aber ich war zu sehr mit meinem eigenen kleinen glück beschäftigt, um gedanklich lange an diesem schicksal hängen zu bleiben.

mitte mai dann lese ich eine anfrage auf facebook. es wird eine flüchtlingsfamilie in einem nachbarort aufgenommen.eine familie mit einem drei tage alten baby, das NICHTS hat.
und auch hier denke ich noch völlig nüchtern darüber nach, melde mich und biete einen schwunge newbornkleidung an. immerhin haben wir kistenweise davon und der geplante weitere nachwuchs wird, darauf wette ich, erneut mit haufenweise klamotten beschenkt werden. warum also nicht verschenken, was wir in hülle und fülle haben? klar, wir sind nicht reich, geld würde ich nicht spenden können, aber das, was da ist und nicht gebraucht wird: natürlich!

im keller, beim durchwühlen der kleidungskisten wird mir plötzlich bewusst, was ich da tue. ich habe winzige söckchen in der hand, unfassbar kleine strampler und mützchen. wie lang ist es her, dass krümel da hinein gepasst hat. und so ein kleines würmchen lebt ein paar kilometer weiter, viel zu viel leid und elend für so eine kleines leben schon im mutterleib erfahren. keine ruhe, kein geborgenes wachsen, sondern flucht
eine riesige kiste kleidung, flaschen, mulltücher etc kommt zusammen und ich fühle mich richtig gut dabei, diese zu überreichen. ich hab grad was richtig gemacht, da bin ich sicher. ich hoffe, dass ich für ein wenig glück im herzen der familie gesorgt habe.

was wohl heute mit der mutti und dem kleinen im krankenhaus ist?
ob das neugeborene aus dem nachbarort inzwischen mit seiner familie zur ruhe gekommen ist?

inzwischen lasse ich die bilder an mich ran. täglich sage ich mehrfach zu meinem mann: 'stell dir vor, das wären wir', wenn ich verzweifelte familien sehe. und wenn wieder hunderte menschen ertrunken sind. stell dir vor, da ertrinken nicht einfach -menschen-, sondern mütter, väter, kinder, babys, brüder, schwestern......und wie oft möchte ich nur weinen, weil ich sie fast um ihr leben schreien höre, ich höre sie weinen und leiden.

und ich möchte all jenen, die sich sorgen um ihren lebensstandart in deutschland machen, flüchtlingsunterkünfte anzünden, gegen ausländer demonstrieren ins gesicht schreien. hast du kein mitgefühl
was würdest du tun, wenn das leben im eigenen land tägliche lebensgefahr bedeuten würde? würdest du sitzen bleiben und der dinge harren anstatt dich und deine familie zu retten? würdest du hier bleiben, um andere länder nicht mit deiner anwesenheit zu belastenwürdest du das leben deiner familie auf einer langen, ungewissen flucht riskieren, nur um in einem anderen land zu schmarotzen?!? sicher nicht.
jetzt mal im ernst: 
WAS WÄRE, WENN DU ES WÄRST???


hilf! tu was du kannst, jedes winzige bisschen zählt!
wenn jeder stein, der geworfen wird und jedes böse wort, das gesprochen wird ein laib brot, ein sack kleidung oder eine lächelnde umarmung zum willkommen wäre....ja dann.
                                                                                                                                                                                                                                            deine lila

1 Kommentar:

  1. Genau meine Meinung! Wie andere Menschen so wenig Mitgefühl haben können, geht einfach nicht in meinen Kopf und schon gar nicht in mein Herz. Das einzige, was uns von Flüchtlingen im wesentlichen unterscheidet, ist dass wir das Glück hatten, in so wundervolle Lebensumstände hinein geboren zu sein.

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