Dienstag, 19. Januar 2016

Mein Mann, der Superheld - eine Gegenbewegung

Ich mach heut mal was Ungewöhnliches: Ich lobe meinen Mann!

Ja, du hast richtig gelesen. In den letzten Monaten ist es mir auf unterschiedlichsten Kanälen immer wieder untergekommen, dass die Männer bzw die Väter gebashed werden. 
Ich bin die Letzte, die bestreitet ab und an ganz gern mal 'abzulästern', mir mal richtig Luft zu machen und den schlechten Eigenschaften Anderer für kurze Momente mehr Gewicht gibt als den guten.
Aber es ist auch meine Natur viel häufiger um Verständnis zu bitten. Für mich, für Freunde, für jeden, der irgendwie ungerecht behandelt zu sein scheint. 

Es ist völlig normal, dass der Mensch negative Momente und Eigenschaften eher in Erinnerung hält als die positiven Zeiten, die aber ja meist überwiegen.



Ich will euch erzählen, wie unser Familienleben aussieht:

Mein Mann und ich waren seit etwas mehr als drei Jahren ein Paar, als ich schwanger wurde. Und damals wusste ich schon ganz gut um seine Macken und um seine Vorzüge und nicht alles, was in unsrer Partnerschaft vielleicht zu Problemen führte ist auch ein Problem im Vater-sein.

Er ist in erster Linie ein Mensch, der selten Grenzen zu erreichen scheint. Während ich schnell an meine Grenzen gerate, an manchen Tagen einfach schon über der Grenze aufwache, bringt er stoisch Tag für Tag hinter sich. Morgens zwischen drei und vier muss er aufstehen, Arbeitet bis in den frühen Nachmittag meist ohne Pause in leitender Position, kommt nach Hause und ist sofort bereit für uns.
Wenn alles gut läuft, kann er sich nochmal mit Helena ins Bett legen, den Rest ihres Mittagsschläfchens für sich mitnehmen
Im restlichen Tagesverlauf nimmt er mir unglaublich viel ab.
Nein, der Haushalt ist nicht seine Stärke und das treibt mich manchmal in den Wahnsinn, weil er auch einfach kein Gefühl für mögliche Gefahren fürs Kind hat. Aber ich weiß, wenn ich ihn bitten würde, würde er jede Aufgabe erledigen, er sieht sie bloß selbst nicht. Ich geb mir aber Mühe, das Meiste selbst in die Hand zu nehmen, denn das ist das Mindeste, was ich für diesen hart arbeitenden Mann tun kann.
Im Umgang mit Helena wechselt er zum Beispiel jede Windel, die in seiner Anwesenheit anfällt. Ohne zu Murren. Und jeden Tag versucht er mir etwa ein Stündchen 'Allein-Zeit' zu beschaffen. Sei es, dass er mit Helena joggen geht oder einkaufen. Oder er badet sie. Ich darf einfach lümmeln (mach ich meist nicht, sondern nutze die Zeit zum Putzen. War klar, oder?)
Das Abendessen kochen wir abwechselnd und er ist derjenige, der mit ihr Zähne putzen geht (Fun-Fact: Beim Anblick und Geräusch von Bürsten wird mir fast schlecht, so wie bei anderen Menschen das Geräusch von Fingernägeln über Tafel kratzen). Und dann bringt er sie ins Bett, begleitet sie in den Schlaf. Höchstens ein mal im Monat sträubt sie sich hierbei so stark gegen den Schlaf, dass er mich ruft und bittet ihn abzulösen, weil er so genervt ist.

Schon als Helena ein Baby war konnten wir uns ganz ehrlich gegenseitig sagen, wenn das schreiende Kind zu sehr an den Nerven kratzte. Der entspanntere Partner hat das Bündel dann übernommen, völlig normal. Auch nachts.

Damit kommen wir zum nächsten Thema: Die Nächte.
Wie oft lese ich, dass der Papa das Kind nicht mal weinen hört.
Bei uns ist das ganz anders.
Helena wird aktuell irgendwann zwischen Mitternacht und zwei Uhr früh wach, braucht kurz eine Hand zum Festhalten und Streicheln und schläft wieder. Zu dieser Zeit bin ich noch wach und erledige das selbstverständlich. Danach schläft sie durch bis morgens um sieben. 
Aber schon immer ist es so gewesen, dass Zian, wenn wir beide schon schliefen, von ihren Rufen wach wurde und sie entweder beruhigt hat oder in unser Bett holte. 
Warum? Weil ich sie nicht höre, wenn ich mich auf ihn verlassen kann. Mein Leben lang schon habe ich Probleme mit dem Schlafen, und wenn ich besonders depressive Phasen habe kann ich nicht die Ruhe und Güte ausstrahlen, die Helena nachts verdient hat. 
Um das nicht falsch klingen zu lassen: Wenn ich muss oder wenn Zian darauf bestehen würde, würde ich den Nachtdienst NATÜRLICH übernehmen. Während seiner Dienstreisen habe ich ja auch keine andere Wahl und ich bin jedes Mal überrascht, wie gut ich das auch allein schaffe ;-) Und sicher ist es sehr unkonventionell wie wir das handhaben. Aber zur Zeit ist das unser Weg, mit dem wir beide leben können. 

Ich bin kein einfacher Mensch, ich komm nicht so leicht durchs Leben wie andere und tu mich mit meinem Alltag schwer. Trotz all dem hat Zian mich geheiratet und ein Kind mit mir in die Welt gesetzt. Und es komme was wolle, er nimmt seine Verpflichtung ernst, übernimmt seine Aufgabe als Vater und Ehemann. Er kann anpacken und schuften, ich kann organisieren und unser Leben regeln. 

Unsere Ehe stand in Helenas erstem Lebensjahr auf einer harten Belastungsprobe und wäre mehrere Male fast daran zerbrochen. So positiv das hier Alles klingt: Auch der beste Wille reicht manchmal nicht. Natürlich gibt es auch in unserer Ehe viele Ecken und Kanten, wir sind keine perfekten Eltern (oh Gott, bei Weitem nicht) und unsere Streits bespaßen sicher oft alle Parteien im Haus. 
Aber es würde mir IM TRAUM nicht einfallen, all das in einem nur gegen ihn ausgelegten bashing-Text auszubreiten. Denn am Ende hab ich ihn aus Überzeugung geheiratet und als Vater meines Kindes ausgesucht

Und ich schwöre, wenn er jemals an seine Grenzen kommt, dann werde ich da sein, ihn halten und fangen und so gut ich kann die starke Schulter sein, die unsere Familie dann braucht!


Und wenn ich mich dann doch mal auskotzen muss, habe ich bei meinen Freunden immer ein offenes Ohr.




Liebster Zian,
Danke für deine starken Nerven und Arme, die uns durch jeden Tag tragen und mir so viel Last von den Schultern nehmen. 
Danke, dass du so viel Geduld mit mir hast (oder keine Lust auf eine Diskussion ;-) , am Ende hat es für mich das gleiche Ergebnis).
Danke, dass du mich liebst, und danke, dass aus dieser liebe dieses wundervolle Kind entstanden ist.
Danke, dass du dir mit mir ein zweites Kind wünschst.
Danke, dass ich mir mit deiner Hilfe meine kleineren und größeren Träume erfüllen kann.
Einfach danke.

Deine Püppi



Und, war das jetzt zu schleimig? Oder gehörst du zu denjenigen, die sich auch öffentlich über ihren Mann  Luft machen? Ja? Dann tuts mir leid, dass du das hier lesen musstest. Ich meins nicht bös, jeder muss schließlich für sich selbst wissen, was er/sie für richtig empfindet. 

Vielleicht magst du ja mitmachen und dich POSITIV über deinen Mann und/oder Vater deiner/s Kinder/s äußern? Ich schwöre: Es ist manchmal wirklich gut, sich die guten Seiten und Zeiten ganz bewusst zu machen. Mindestens genauso gut wie sich manchmal auszukotzen ;-)
Die liebe Anni von Marmeladenschuh hat übrigens im letzten Monat eine entsprechende Blogparade gestartet, auch sie hat einen Superhelden zum Mann und möchte das die Welt wissen lassen. Schau da doch unbedingt mal vorbei!

Bis bald,

                                                                                                                                                                                                                           deine Lila

1 Kommentar:

  1. Schön, Du hast auch so ein Exemplar wie ich. Ich habe zu dem Thema vor einiger Zeit eine Blogparade gestartet. Vielleicht magst Du ja mitmachen und Deinen Text beisteuern? Soll ich ihn verlinken? Darfst Du dann natürlich auch gerne mit meinem machen :-)
    https://marmeladenschuh.wordpress.com/2015/12/07/mein-mann-der-superheld-aufruf-zur-blogparade/

    AntwortenLöschen