Samstag, 27. Februar 2016

Experiment Babysitting - über Mut und Zeit zu zweit

In wenigen Tagen wird mein Krümelchen 18 Monate alt. 
18 Monate, wie wahnsinnig 'alt' das klingt, dafür, dass ich vor kurzem noch ein kleines, hilfloses und mamafixiertes Babychen im Arm hielt. Ich hab ihr all die Nähe gegeben, die sie forderte und habe meine Grenzen immer wieder überschritten, um dieses zuckersüße Vollkontaktwesen zufrieden zu stellen.
Und jetzt? Jetzt läuft sie, stolz wie Oskar, durch die Wohnung. Bringt mir ihre Schuhe, weil sie raus möchte. Schimpft trotzig, weil ihr die 4 Treppen bis zu unsrer Wohnung nicht genug sind und sie gern noch das letzte Stockwerk erklimmen will. Stapft im Supermarkt allein zum Bananenregal und entscheidet, dass sie die genau JETZT haben möchte. 

Sie strahlt von einem Ohr zum anderen, wenn meine Mama, ihre Omi, zur Tür reinkommt und wickelt meine Schwiegereltern, Oma und Opa, um den Finger. Sogar mein Vater, der sonst zu laut und aufgedreht für kleine Kinder ist, ist in ihrem Herzen angekommen.


Lasst uns mutig sein
wie es nur Kinder sein können,
die es nur so lange sind,
bis wir ihnen
unsre Art zu leben
und zu denken 
aufdrängen
und sie glauben, 
dass es so richtig ist
und nicht anders
und sie sich nicht mehr trauen
mutig zu sein.
(Gudrun Kropp)

Die letzten 14 Tage hatte mein Mann Urlaub. NATÜRLICH bedeutet das, dass ich schon wieder gaaaanz weit nach hinten gerutscht bin in Helenas Gunst. Trösten, tragen, Windeln wechseln geht nur mit Papa. Aber in diesen 14 Tagen haben wir etwas gemacht, was uns die letzten anderthalb Jahre abhanden gekommen ist: Wir haben Paarzeit genossen.

Mein mutiges kleines Mädchen hat in den zwei Wochen ganze vier Mal je 2-3 Stunden Zeit allein mit ihren Großeltern verbracht. Zwei Mal mit meiner Mama und zwei mal mit den Schwiegereltern, aber immer bei uns zu Hause, um ihr ihre gewohnte Umgebung zu lassen. Und jeweils einmal wurde sie von beiden abends zu Bett gebracht.
Was soll ich sagen? Es hat super funktioniert. Ich vertraue den Ausführungen der Großeltern, die sagen, dass Helena fröhlich war, gespielt hat und viel gelacht hat. Jedes Mal ist sie immer mal wieder an die Wohnungstür und wollte raus, hat Papa gerufen, aber hat nicht geweint und sich schnell wieder zufrieden gegeben. Wir haben Wert darauf gelegt, uns bewusst von ihr zu verabschieden. Und sie hat nur ein einziges Mal wenige Sekunden geweint. 
Das Überraschendste für uns war aber, dass sie sich abends problemlos hat ins Bett bringen lassen. Wir haben genau erklärt, dass wir möchten, dass sie in den Schlaf begleitet wird, welche Lieder sie mag und dass sie sich gern den Arm streicheln lässt. So liegt sie häufig wach da, hört zu, bis ihr die Augen zufallen. 
Sowohl meine Mama als auch meine Schwiegermama sind nach einiger Zeit aus dem Kinderzimmer gegangen und haben eine wache, aber ruhige Helena zurück gelassen, die sich in den Schlaf geplappert hat oder einfach irgendwann wegschlummerte. Ich nehme ihnen das nicht übel, denn ich weiß aus tiefstem Herzen, dass sie ihre Enkeltochter nie weinen lassen würden. Wahrscheinlich wollten sie einfach ausprobieren, ob es klappt. Und: Es hat geklappt. Das gleich Verhalten von uns würde in jedem Fall zu lautem Weinen und Protest führen. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum sie sich so unterschiedlich verhält, aber für die Großeltern war es mindestens genauso überraschend (und erfreulich) wie für uns. 

Das Fazit am Ende von Zians Urlaub ist jedenfalls: 
Helena ist bereit, sich betreuen zu lassen. Natürlich nicht von irgendwem, aber einen kleinen Kreis von Menschen gibt es, dem ich mein Kind  vertrauensvoll überlassen würde, Und dafür bin ich unendlich dankbar, denn meinem Mann und mir haben diese wenigen Stunden zu zweit eine Menge gebracht.

Fest steht aber auch: Sollte sich irgendetwas ändern, würde Helena wieder skeptischer werden oder uns wieder dringender brauchen, dann würden wir ohne mit der Wimper zu zucken auf diese Zeit zu zweit verzichten. Denn sie braucht uns und die Jahre, in denen unsre Tochter so klein ist vergehen viel zu schnell. Um nichts in der Welt möchten wir ihr das Gefühl geben nicht da zu sein, wenn sie unsre Nähe fordert.

Für den Moment jedoch schaue ich mein schlafendes Kind an und freue mich, dass sie so mutig geworden ist. 


bis bald, 

                                                                                                                                                                                                                                       deine Lila

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen